Austria

"Ansonsten bricht Europa zusammen": Italien drängt auf Grenzöffnung

Die mangelnde Bereitschaft Österreichs, seine Grenzen rasch zu öffnen, hat in den vergangenen Tagen für Kritik in Italien gesorgt.

Italien verstärkt seine diplomatische Offensive für eine Öffnung der Grenzen. Der italienische Außenminister Luigi Di Maio kündigte daher für kommende Woche eine "Europa-Tour" an, um für die Grenzöffnung zu Italien zu werben. Besuche sind in Deutschland, Slowenien und Griechenland geplant, eine Reise nach Wien steht bisher nicht am Programm, wird aber nicht ausgeschlossen.

Am Mittwoch plant Di Maio zudem ein Treffen mit seinem französischen Amtskollegen Jean-Yves Le Drian in Rom. Dabei handelt es sich um den ersten Besuch des französischen Außenministers nach Ende des Lockdown in seinem Land. Am Freitag reist Di Maio nach Deutschland und am Samstag nach Slowenien. Am 9. Juni wird er in Griechenland erwartet.

Eine vergangene Woche von Di Maio noch angekündigte Reise nach Wien steht vorerst nicht am Programm. Aus dem Außenministerium hieß es dazu am Samstag auf APA-Anfrage, es gebe noch keine konkrete Anfrage der Italiener diesbezüglich. Di Maio wäre "aber natürlich in Wien herzlich willkommen". Der Pressesprecher Di Maios erklärte auf Anfrage: "In den letzten Tagen hat es wiederholt Kontakte zur Regierung in Wien gegeben. Ein Besuch in Österreich ist demnächst durchaus möglich."

Die mangelnde Bereitschaft Österreichs, seine Grenzen zu Italien rasch zu öffnen, hat in den vergangenen Tagen für Kritik in Italien, das stark vom Tourismus abhängig ist, gesorgt. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hatte Italien diese Woche noch als "Hotspot" bezeichnet und darauf verwiesen, dass einige Regionen rund um die Lombardei und die Lombardei selbst noch sehr stark mit Corona-Infektionen belastet seien.

Während Österreich und andere Länder bereits bilaterale Absprachen zur gegenseitigen Grenzöffnung getroffen haben, pocht Italien auf ein gemeinsames europäisches Vorgehen ab dem 15. Juni. "Ansonsten bricht Europa zusammen", warnte Di Maio am Samstag auf Facebook.

Wenn jemand denkt, dass man Italien wie ein Lazarett behandeln kann, soll er wissen, dass wir nicht tatenlos bleiben werden

Luigi Di Maio

Der italienische Außenminister forderte Respekt gegenüber seinem Land. "Wenn jemand denkt, dass man Italien wie ein Lazarett behandeln kann, soll er wissen, dass wir nicht tatenlos bleiben werden. Die Geduld hat Grenzen. Wettbewerb unter den EU-Mitgliedstaaten ist gerechtfertigt, muss jedoch gesund und loyal sein. Italien ist schön, einmalig und mit wunderbaren Stränden. Wahrscheinlich hat es keine Rivalen", schrieb Di Maio auf Facebook.

"Bei meinen Auslandsbesuchen werde ich meinen Kollegen erklären, dass Italien ab dem 15. Juni bereit ist, ausländische Touristen zu empfangen und dass wir in voller Transparenz handeln werden. Wir haben stets mit Verantwortungsbewusstsein und Transparenz gehandelt und werden es weiterhin tun. Daher erwarten wir uns Respekt", so der Außenminister.

Ab Mittwoch können Ausländer wieder nach Italien einreisen, ohne dass sie sich dort wie bisher einer zweiwöchigen Quarantäne unterziehen müssen. Damit erhofft sich Italien einen Neustart des Fremdenverkehrs, der seit Ende Februar zum Erliegen gekommen ist. Mit über 33.000 Covid-19-Todesopfern zählt Italien zu den von der Pandemie am stärksten betroffenen Ländern der Welt. Zuletzt sind die Infektionszahlen deutlich zurückgegangen. Aktuell sind noch rund 46.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert.

(APA)

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