Austria

Am Tag nach dem Unwetter: „So arg war es noch nie“

Auf den ersten Blick herrscht am Samstagvormittag trügerische Ruhe in Graz: blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, die Vögel zwitschern - doch die Folgetonhörner Dutzender Feuerwehrautos zeugen davon, dass von Entspannung noch keine Spur ist.

Die Aufräumarbeiten nach dem Jahrhundert-Unwetter sind in vollem Gang, vielerorts wird das ganze Ausmaß der Schäden erst richtig sichtbar. Den Grazern steckt der Schock noch tief in den Knochen: „So was habe ich in Graz noch nie erlebt“, dieser Satz fällt beim „Krone“-Lokalaugenschein am Samstagvormittag oft.

Auch Rudolf Ladinek hat schon so einige Unwetter in der Landeshauptstadt miterlebt, „aber so arg war es noch nie“, erzählt er, in Gummistiefeln vor seiner Garage in der Andritzer Reichsstraße stehend.

Hier, im Norden von Graz, hat das Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen besonders heftig gewütet. Rudolf Ladinek zeigt auf die Fassade seines Hauses, wo anhand der Schlammspuren noch deutlich zu sehen ist, dass sich das Wasser gut einen Meter hoch gestaut hat. „Ich habe noch schnell das Auto aus der Garage geholt, aber auch draußen ist es sofort unter Wasser gestanden“, schüttelt Ladinek den Kopf.

Feuerwehr kann nicht überall gleichzeitig sein
Die Feuerwehr hat der Grazer noch in der Nacht gerufen, gekommen sind die Florianis aber nicht: „Das verstehe ich natürlich, die Feuerwehr kann ja nicht überall gleichzeitig sein.“

Bei der Zentralfeuerwache auf dem Lendplatz herrscht noch am Samstagvormittag Hochbetrieb: Fahrzeuge fahren mit Blaulicht aus, andere kommen wieder zum Stützpunkt zurück. In der Garage stehen Biertische mit Getränken und Jause, damit sich die Helfer im Dauereinsatz kurz stärken können. „Ich habe zwei Stunden geschlafen - das muss reichen, weiter geht’s“, sagt ein Feuerwehrmann mit der notwendigen Gelassenheit und schreitet schnellen Schrittes Richtung Garage.

Dass es nicht noch schlimmer gekommen ist, ist auch den Hochwasser-Rückhaltebecken im Grazer Stadtraum zu verdanken, die sich in dieser Nacht bewährt haben. Am Samstag wurde mit schwerem Gerät daran gearbeitet, sämtliche Becken von Verklausungen und Verschlammungen zu befreien, um für die nächsten Niederschläge gerüstet zu sein - diese waren schon für den Abend angekündigt.

Blitz traf Baum im Hof eines Seniorenheims
Mehrere Schutzengel hatten die Bewohner eines Seniorenheims in der Floßlendstraße nahe der Mur: Vor dem Gebäude liegen riesige verbeulte Blechteile, die vom Dach auf den Gehsteig und die Straße gekracht waren. In der Nacht wurde im Innenhof des Heims ein Baum vom Blitz getroffen und stürzte auf das Haus. „Auf einmal hat es gewaltig laut gekracht, ich habe geglaubt, das Haus stürzt ein“, erzählt eine Bewohnerin und schlägt verzweifelt die Hände vor dem Gesicht zusammen. Der Baum dürfte auch das Dach beschädigt haben, der Sturm riss Teile davon in die Tiefe. Die Straße musste eine Zeit lang komplett gesperrt werden, verletzt wurde zum Glück niemand.

Nur einige hundert Meter weiter sind am Lendkai Mitarbeiter der Holding Graz mit Motorsägen und Kränen zugange: Sie entfernen die letzten Reste von umgestürzten Bäumen, die in der Nacht teilweise quer über die Straße und dem Radweg gelegen waren. Auch hier erwischte es zum Glück „nur“ Autos

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