Austria

"Albertina Modern": Das Museum der Exorzisten

Der neue Museumsstandort erfasst mit der Schau „The Beginning“ Österreichs Kunst von 1945 bis 1980

von Michael Huber

Der erste Eindruck: Dem Palais der Albertina wurden Stammzellen entnommen. Diese wurden im wenige hundert Meter entfernten Künstlerhaus eingepflanzt und konnten sich dort zu einem Klon entwickeln: Das Raumgefühl in den Sälen, die Beschaffenheit von Böden und Türen, die Lichtsituation entspricht in der „Albertina Modern“, die ab heute, Mittwoch, dem Publikum offensteht, ziemlich exakt jenem im Haupthaus.

Der nahtlose Effekt ist von Direktor Klaus Albrecht Schröder, dem Mastermind der Albertina-Expansion seit 1999, durchaus beabsichtigt: Er wollte „die Strahlkraft der Museumsmarke nützen“ und die österreichische Kunst seit 1945 in einem Rahmen präsentieren, wie er sonst auch Dürer, Rembrandt oder Meisterwerken der klassischen Moderne zuteilwird, erklärt er: „Wir sagen: Das ist die Klassik der Zukunft.“

Tatsächlich haben bisher kaum Museen den Anspruch erhoben, die österreichische Kunstgeschichte von 1945 bis 1980 derart auf einen Kanon zu verdichten, wie es die Albertina Modern mit ihrer Eröffnungsschau „The Beginning“ tut. Zu divergent schienen bisher die einzelnen stilistischen Lager von den Aktionisten rund um Nitsch und Muehl zu den Phantastischen Realisten um Arik Brauer und Rudolf Hausner; von der als „Stephansbuben“ bezeichneten Gruppe abstrakter Maler, die sich um die Galerie St. Stephan von Monsignore Otto Mauer scharte, schien die geometrische Kunst einer Helga Philipp stets meilenweit entfernt. Und doch sind sie nun alle hier, vereint in einem schlüssigen Rundgang, der nicht zuletzt von den Durchblicken in den revitalisierten Räumen profitiert.

Ein weites Feld

Die Letztverantwortung für die Hängung trug Schröder, der die weitestmögliche Achse zwischen den beiden achteckigen Räumen am Rand des Parcours spannte, von denen einer der Malerin Maria Lassnig und der andere ihrem einstigen Partner und lebenslangen Konkurrenten Arnulf Rainer gewidmet ist. Das Biotop der Ideen, in dem diese beiden Titanen schwammen, wurde aber von insgesamt sechs Kuratorinnen und Kuratoren aufbereitet. Daraus ergibt sich eine Vielstimmigkeit, die erhellt.

So findet sich Rainer auch in einem blitzblauen Zimmer mit Vertretern der Wiener Schule des Phantastischen Realismus wieder: Diese wollten nach 1945 mit Rückgriff auf den Surrealismus und altmeisterliche Technik zu einer neuen „Urkunst“ zurückfinden. Padhi Frieberger, der oft belächelte Aussteigertyp (und zeitweilige Partner Lassnigs), findet sich mit seinen Objekten bei den Aktionisten ebenso wie als Skulptur-Erneuerer gegenüber einer Figur Fritz Wotrubas.

Das Bedürfnis, nach der Barbarei des Nationalsozialismus einen Neubeginn zu setzen, sei das einende Element in der Epoche 1945–1980, die „The Beginning“ umspannt, sagt Schröder. Angesichts der Vielgestaltigkeit der Kunst ist es überraschend, wie gut diese These hält: Österreichs Kunstschaffende erscheinen nicht mehr als die ewigen Spätzünder, sondern als radikale Kämpfer gegen den Ungeist, der sich nach Ende der Naziherrschaft hielt.

Geister austreiben

Bedrückend gerät der Raum, in dem Gottfried Helnweins Anklagebilder gegen den NS-Arzt Heinrich Gross und andere sadistische Figuren den Bildern ausgezehrter Zöglinge von Reimo Wukounig (1974) gegenüberstehen. Selbst bei Hundertwasser, Attersee oder Fuchs schimmert etwas von jener Brisanz durch, die später vom Sediment sozialer Saturiertheit begraben werden sollte.

Nun also ist diese Kunst „klassisch“, „kanonisch“ oder zumindest museal. Wie bei jeder Behauptung darf man im Detail widersprechen, muss vielleicht darauf hinweisen, dass die Autorität jener, die (Kunst-)Geschichte schreiben, nie voraussetzungslos ist. „The Beginning“ ist ein Anfang, um diese Geschichte zu lernen – wobei die Albertina Modern nicht der einzige Ort ist, der jüngere Kunstgeschichte präsent hält. Doch es ist ein wertvoller neuer Ort.

INFO: Bis 15.11.

Die Schau „The Beginning – Kunst in Österreich 1945 – 1980“ läuft bis 15. November in  der Albertina Modern  im Wiener Künstlerhaus. Das Kuratorenteam  bestand aus   Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Elisabeth Dutz, Berthold Ecker, Antonia Hoerschelmann, Klaus Albrecht Schröder und  Angela Stief. Der Katalog (49,90€)  enthält wertvolle Beiträge zur Kunst und Geistesgeschichte der Epoche.

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