Austria

8 Monate Haft: Er saß mit Waffe im Uni-Hörsaal

Ein Chemie-Student (39) war im Oktober mehrmals mit geladener (!) Schusswaffe im Hörsaal einer Wiener Uni gesessen war. Urteil: 8 Monate bedingte Haft und einen verordneten Psyciater-Besuch.

In ausgebeulter Cargo-Hose und weißem Rollkragenpulli erschien Mathias L. am Donnerstag vor Gericht. Die Unterlagen fein säuberlich im Militär-Rucksack geschlichtet, den Stift im olivgrünen Federpennal verstaut. Das Handy stets griffbereit in einem Holster am Gürtel. Die Hände zittrig, den Blick starr nach vorn gerichtet.

Jener Student, der am im Oktober mit geladener Waffe im Uni-Hörsaal für Angst und Aufregung gesorgt hatte, legte einen befremdlichen Auftritt am Wiener Landl hin.

"Waffe gekauft, um Geschicklichkeit zu üben"

zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. "Ich glaub, Sie sind nicht ganz in Ordnung" resümierte Richterin Claudia Bandion-Ordner kurz vor der Urteilsverkündung.

Doch der Reihe nach: Im Oktober 2019 sorgte seine Waffe im Uni-Hörsaal für Aufregung. Studierende bemerkten am Körper des 39-Jährigen eine geladene Glock. Die alarmierten Sicherheitsbediensteten rückten an. Er bekam Hausverbot.

Warum er mit seiner Pistole in der Vorlesung saß, wollte die Richterin wissen. "Das hat folgende Bewandtnis, Euer Ehren…", stammelte der Student. Dann erklärte er: "Der Name 'Waffenführerschein' wurde mir zum Verhängnis. Ich dachte, ich darf die Waffe mitführen, das erschien mir logisch." Der 39-Jährige hatte eine Waffenkarte, jedoch keinen Waffenpass, der zum Führen einer Pistole berechtigt.

Er darf also keine Waffe mitführen, schon gar nicht in der Universität, wo ein strenges Waffenverbot herrscht. Und unter keinen Umständen darf er eine geladene Waffe bei sich tragen. Genau das hat Mathias L. jedoch Mitte Oktober getan, mehrfach. Seine Ausrede: "Ich wollte nach der Vorlesung Schießübungen durchführen, um meine Geschicklichkeit zu trainieren, seit einem Unfall habe ich Probleme mit den Händen."

Weiteres Verfahren wegen Verhetzung noch ausständig

Seine Hände sind nicht das einzige Problem des Einzelgängers. Wegen Verhetzung ist noch ein weiteres Verfahren gegen den Hörsaal-Schreck ausständig. Auf Twitter soll der 39-Jährige islamfeindliche Aussagen getätigt haben. Mathias L. versuchte sich auch hier herauszureden: "Ich wurde gehackt, bin auf ein Phishing-Mail reingefallen." Religionen, auch dem Islam, stehe er "neutral" gegenüber. Er kenne viele Muslime, die seien alle "freundlich".

8 Monate bedingt und Psychologen-Termin

Weniger freundlich das Urteil von Claudia Bandion-Ortner: Acht Monate bedingte Haft und eine verpflichtende psychiatrische Untersuchung ("Irgendwas mit Ihnen stimmt nicht").

Zusätzlich wurde ein Waffenverbot gegen ihn erlassen. Die ehemalige Justizministerin gab ihm am Ende einen Tipp mit auf den Weg: "Suchen Sie sich ab jetzt ein anderes Hobby, lassen S' das mit den Waffen sein!" Das Urteil ist nicht rechtskräftig.