Austria

14 Tage in Heimquarantäne: Harte Disziplin, großer Stress

Ein Arzt schreibt über seine schwierige Zeit in der Isolation. Die erhoffte Besinnung und der Ruhe brachte ihm die Quarantäne nicht - im Gegenteil.

Samstag sind es 14 Tage in Heimquarantäne. Anfangs gedacht, diese Zeit wird einer Besinnung und der Ruhe gewidmet sein, zeigte die Realität jedoch Anderes. Es war eine herausfordernde und komplizierte Zeit.Ich habe diese Zeit nicht alleine, sondern in Zweisamkeit verbracht. Trotz Verbundenheit und Wohlwollen ist dieser Lebensabschnitt, welcher jetzt zusätzlich gemeinsam, heißt unmittelbar an einander, zu verbringen war, mit vielen Aufgaben und harter Disziplin verbunden gewesen. Ohne Chance sich zu wehren fanden in uns Veränderungen statt, Veränderungen im zwischenmenschlichen Auskommen und in der Interaktion zueinander, eine Realität, die in größeren Familien, in Gemeinschaften mit Kindern noch viel fordernder sein muss. Soviel man auch an Rücksicht und Vorsicht aufbringen kann und das auch vehement versucht, man entgeht nicht den Abänderungen, die jeder einzelne in seinem Verhalten und in seiner Außenprojektion präsentiert. Es ist eine Art Distanzierung eingetreten, man geht sich aus dem Wege, versucht so wenig wie möglich zu stören, vermeidet vermeintlich beeinflussendes Verhalten, wird aber gerade dadurch für den Anderen auffällig und kompliziert. Es beginnt ein Circulus Vitiosus, dessen Selbststeuerung nicht aufzuhalten ist.

Nachdem auch hier im Umfeld alles gereinigt und durchgesehen, instandgesetzt und verstaut ist, nachdem tägliche Handlungen zunehmend mühsamer werden bricht dann auch die Zeit über einem zusammen. Mühsam ist ein halbwegs vernünftiger Tag-Nachtrhythmus aufrecht zu erhalten.

Es ist fast alarmierend, wenn das Telefon läutet oder wieder eine Nachricht eintrifft.

Fehlende soziale Kontakte, die stetige Angst doch noch von der Erkrankung eingeholt zu werden und die Ohnmacht jetzt nicht sinnvoll zur Verfügung stehen zu können kratzen am Selbstbewusstsein, führen zu Nachdenklichkeit, ja sogar zum Grübeln, zu einer gewissen inneren Isolation in der äußeren Isolation. Die Abhängigkeit in der Versorgung von außen gibt einen zusätzlichen Schub im Gefühl der Sinnlosigkeit des derzeitigen Daseins unter diesen Bedingungen. Es entsteht a la longue auch eine Scheu mit der „Außenwelt“ in Kontakt zu treten, vielleicht ist das ein persönliches Defizit, oder eine persönliche Eigenheit, aber es ist fast alarmierend, wenn das Telefon läutet oder wieder eine Nachricht eintrifft.

Man versucht sich aber dennoch zu informieren und „präsent“ zu bleiben, entgeht dabei aber nicht der Flut an Schrott welcher besonders derzeit in den sozialen und anderen Medien verbreitet wird. Wobei beim Lesen mancher Beiträge ist Wut kaum zu unterdrücken ist, bemerkt man doch, wie sehr diese Zeit für Negatives und Gefährdendes benützt wird. Scherze zu der Problematik der Pandemie selbst sind schon in Anbetracht der derzeitigen Todesfälle, der etablierten Not so vieler Mitmenschen und der später dann generellen Folgen einer solchen medizinischen Krise für die Menschheit in vielen Bereichen nicht (wirklich) angebracht. Zudem sinkt aber auch noch mit jedem Tag die „Qualität“ der geposteten Elaborate, die Anzahl solcher Nachrichten aber leider nicht, man kommt kaum nach, die Beiträge zu löschen.

Mein Unverständnis für jetzt auftretende politische „Kleingeldglauberei“ erzeugt Ärger und Nachdenklichkeit zugleich, der sogenannte politische Schulterschluss wird täglich brüchiger. Ob meiner persönlich so negativen Erfahrungen in dieser fordernden Zeit der eigenen Isolation, ist da kein Verständnis für Leute die aus Geltungssucht und niederen Beweggründen mit populistischen Forderungen Unsicherheit verursachen.

Beispielsweise Politiker, welche ein Aufbrechen der Maßnahmen und Vorgaben fordern, wohl mehr den nächsten Wahltermin, als das Wohl der sie dort Wählenden im Fokus habend; also politische Repräsentanten, welche mit solchem Verhalten, einen Rückgang der Disziplin der Gesellschaft riskieren, nach meiner Meinung sogar klar verursachen. Gerade das zunehmend gezeigte Anzweifeln der durch die Regierung und die Behörden eingeschlagenen Strategie ist in seiner Gefährlichkeit nicht annähernd abzuschätzen. Aber wie sich zeigt ist eine Pressekonferenz, eine Schlagzeile, mediale Präsenz wichtiger als ein gemeinsames Gesamtziel. Wenn sogar Vertreter der Ärzteschaft in Pateifunktionen in ihrem politischen, parteigetragenen Auftrag versuchen Etabliertes zu hinterfragen, ja noch mehr, in Frage zu stellen, so lässt mich das als Arzt erschaudern. Ist es möglich, dass mehr darüber sinniert wird wie man effektvoll medial präsent sein kann, als darüber nachzudenken, wie man selbst vorbildhaft und beispielgebend die derzeit Verantwortlichen trägt und unterstützt? Offensichtlich!

An das politische Desaster in der Aufarbeitung des unvermeidbaren, begleitenden wirtschaftlichen Schadens möchte ich nicht denken, aber ich fürchte mich schon jetzt!

Unvermeidbar wird ja sein - es zeigt sich auch schon am Horizont - was immer auch passieren wird, wann, und wie wir diese Herausforderung als Gesellschaft überstehen werden, es werden Reihen aufstehen, die alles besser gemacht hätten. An das politische Desaster in der Aufarbeitung des unvermeidbaren, begleitenden wirtschaftlichen Schadens möchte ich nicht denken, aber ich fürchte mich schon jetzt!

Auch Redakteure, die aus Populismus in ihren eigenen Artikeln, selbst die angefragten Expertenmeinungen in der gleichen Ausgabe des Mediums konterkarieren sind fehl am Platz. Ebenso wie Medienmitarbeiter, welche leitend in Diskussionsrunden durch Unsachlichkeit, Egozentrik oft gepaart mit Unwissen und manchmal sogar durch ihre eigene Unruhe, will nicht sagen Panik, eine sachliche, faktengetragene Erörterung oft gar nicht erst zulassen, so zur Verunsicherung der Öffentlichkeit beitragen, entbehrlich sind.

Man ist also nicht erholt, ausgeruht und beruhigt, nach einer Quarantäne, ganz im Gegenteil, mit der Zeit verstärkt sich eine zunehmende Unruhe, entsteht Stress bei den geringsten Anforderungen, man bemerkt, dass man auch ohne körperliche Anstrengung stetig sich erschöpft, sich abmüht ohne sich abzumühen.

Und da ist auch noch die Ungewissheit. Denn entgegen einer aufkommenden kontraproduktiven, verharmlosenden Stimmungsmache, weiß zum jetzigen Zeitpunkt niemand wie es weitergehen wird; nicht was die Pandemie betrifft, nicht was das zukünftige Verhalten der Gesellschaft an sich angeht, nicht was die politische Zukunft bringt und wie sehr die wirtschaftliche Notsituation bei einem möglichen Ende der Krisensituation uns alle noch betreffen wird. Angst zu haben schadet derzeit nicht, zumindest nicht, denke ich, wenn man sich ihrer bewusst ist und bereit ist weiter als Einzelner im Sinne aller zu entsprechen.

Dr. Thomas Heinz ist Arzt an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie im AKH Wien.

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