Austria

100 Jahre Salzburger Festspiele: Jubiläum der besonderen Art

© VIRGINIA / Ullstein Bild / picturedesk.com

Nach vielen Jahren läuft zum Jubiläum nichts, wie es war. Es wäre nicht Salzburg, wenn dies nicht mutig in die Zukunft weisen würde.

von Bernhard Praschl

rot und Spiele, wer hätte gedacht, dass dieses gerne vom Sport strapazierte Wortpaar heuer ausgerechnet in der Hochkultur gefragt ist? Salzburgs Bürgermeister Harald Preuner sprach jedenfalls nicht zufällig davon, dass die Stadt die Festspiele „wie einen Bissen Brot braucht“. Stimmt ja, sie gehören zur DNA der Mozartstadt wie der Tod zu Jedermann.

Statt der sonst sechs Wochen befindet sich Salzburg nun von 1. bis  30. August im künstlerischen Hoch – so der aktuelle Plan und vorbehaltlich etwaiger kurzfristiger Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler  hat bereits im Vorjahr darauf hingewiesen, was das eigentliche Öl im künstlerischen Betrieb  schon in seinem  Premierenjahr 1920 ausmachte – 54.000 Kilo Mehl. Die waren außertourlich ausgegeben worden, um die Not der Bevölkerung zu lindern. Die nämlich bangte, „dass das Brot durch ausländische Gäste noch weniger würde“, schreibt sie im Vorwort des Jubiläumsbandes „100 Jahre Salzburger Festspiele. Eine unglaubliche Geschichte in fünf Akten“.

Unglaublich“: Genau diese Eigenschaft wird von Anfang an zu einem wichtigen Merkmal des Unternehmens Salzburger Festspiele. Schon die Tatsache, dass hier ein Trio aus Ortsfremden nur zwei Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges für gehobene Unterhaltung sorgen wollte, schien ungeheuer. Ja, es gehörte eine ziemliche Chuzpe dazu, in der damals kaum  40.000 Einwohner zählenden Stadt  Konzerte und Stücke von Weltrang aufführen zu wollen. Und was für welche!

„Oper und Theater, von beidem das Beste“, machten die Festivalgründer Max Reinhardt, Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss zu ihrem Auftrag.

Stimmt, Bescheidenheit war nicht ihre Sache. Warum auch, Reinhardt galt als der bedeutendste Theatermann der Welt und den Rest des Trios bildeten mit dem Librettisten der „Elektra“ und des „Rosenkavaliers“ sowie dem Komponisten von „Also sprach Zarathustra“ und „Elektra“ auch nicht gerade Nobodies.

Großer Anspruch

Max Reinhardt sah „seine“ Festspiele ganz modern als Friedensprojekt. Hugo von Hofmannsthal wiederum griff in die Geschichte der moralisierenden Mysterienspiele, um mit dem „Jedermann“ auf dem Salzburger Domplatz eine Botschaft zu setzen, die heuer aktueller denn je scheint: Angesichts des Todes nützt aller Reichtum der Welt nichts.

Kein Wunder, dass dieses Stück vom Bestseller zum absoluten Longseller der Festspiele wurde. Bei diesem Text kommt jeder mit, gerade wenn er von den markantesten Stimmen gesprochen und den prägnantesten Gesichtern gespielt wird. 

 Ob Alexander Moissi oder Klaus Maria Brandauer, ob Attila Hörbiger,  Walther Reyer, Curd Jürgens, Helmuth Lohner oder Gert Voss, ob Ulrich Tukur, Peter Simonischek, Nicholas Ofczarek, Cornelius Obonya, Tobias Moretti oder Philipp Hochmair: Die größten Namen der Branche reichten sich hier die Hände.

Natürlich ist auch die Rolle der Buhlschaft nach dem Starprinzip angelegt: Nadja Tiller, Christiane Hörbiger, Nicole Heesters, Senta Berger, Marthe Keller, Elisabeth Trissenaar, Sunnyi Melles, Maddalena Crippa, Sophie Rois, Dörte Lyssewski, Veronica Ferres, Nina Hoss, Marie Bäumer und Birgit Minichmayr waren schon hier. Und das ist nur eine Auswahl aus der einschlägigen Besetzungsliste der 100-jährigen Geschichte der Salzburger Festspiele.

Jederfrau

Dass heuer mit „Everywoman“ (ab 19. August) der Blick auf unser Dasein zusätzlich ein weiblicher wird, beweist, dass die Festspiele nicht nur mit der Zeit gehen, sondern auch die Zeichen der Zeit sehen.

Tradition ist im barocken Ambiente der Stadt an der Salzach zwar seit jeher gefragt, aber schon lange nicht mehr der Motor. Zum Glück.  Es ist bereits  eine ganze Generation her, dass mit Herbert von Karajan ein einziger Mann den Festspielen seinen Stempel aufdrücken konnte. 

So visionär der Dirigent und gebürtige Salzburger in technischer Hinsicht war – die Weltpräsentation des neuen Speichermediums Compact Disc fand etwa 1981 im Rahmen seiner Salzburger Osterfestspiele statt – so konservativ gab er sich musikalisch. Werktreue galt  ihm alles.

Unter Karajans Nachfolger Gerard Mortier und Hans Landesmann geriet das System Salzburg ziemlich in Bewegung. Endlich abgehakt die dunklen Jahre von 1938  bis 1944, in denen die Kunst als Propagandainstrument der Nazis herhalten musste. Endlich zeigte man sich mutig genug, anderen Sichtweisen, anderen Interpretationen Platz und Raum zu geben.  

Neues Salzburg


Das beste Beispiel dafür ist das Engagement des US-Amerikaners Peter Sellars. Mit der Verve eines New Wave-Musikers inszenierte der damals 35-jährige Regisseur  die spirituelle Oper „Saint François d'Assise“ von Olivier Messiaen. Seit 1992 gilt diese Tat als Symbol für das „Neue Salzburg“.

In der Folge machte sich Sellars ebenso gewitzt, originell und respektlos über Mozartopern her. Nicht immer zum Gefallen  des treuen Salzburger Festspielpublikums, aber sehr wohl zur  Freude der Intendanz. „Peter Sellars zählt zu jenen Künstlern, die mir gezeigt haben, was Musiktheater sein kann  und sein muss“, zeigt sich auch Markus Hinterhäuser von dessen Arbeit begeistert.

Im Vorjahr hielt Sellars eine viel diskutierte Eröffnungsrede bei den Festspielen. Thema war die Ökologie und unser Umgang mit dem Meer. Ja, auch das ist Salzburg. Man hat ein Ohr für alles, was auf der Welt Wellen schlägt.

Leuchtturmwirkung

Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler kämpfte ab dem Frühjahr wie eine Löwin für ihre Festspiele. Mit Erfolg. Und mit Erfolg für die ganze Kulturszene Österreichs – und nicht nur diese.
Bayreuth wird sich ärgern, dass sie vorzeitig kapituliert haben. Und die freie Szene kann sich ein Beispiel an einer Kulturinstitution nehmen, die auf jeden Fall eines ist: nicht so elitär, wie manche meinen.

 „Eine Lex Salzburger Festspiele wollten wir nie“,  sagt Markus Hinterhäuser.

Freuen wir uns also von 1. bis zum 30. August auf knapp 100 Fixpunkte, eine gerettete „Elektra“, Igor Levits Beethoven-Zyklus, einen Liederabend mit Anna Netrebko, eine  Handke-Uraufführung und auf das Jahr 2021. Da wird der Rest des Jubiläumsprogramms nachgeholt.    

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